Körpergefühl im Wettkampf: Warum du nicht nur deiner Pace vertrauen solltest

50 Kilometer, rund 1.000 Höhenmeter und am Ende Platz 1 in meiner Altersklasse beim Rosengarten Ultra Heide Marathon. Ein Ergebnis, über das ich mich natürlich sehr gefreut habe.

Was mir von diesem Wettkampf aber besonders in Erinnerung bleiben wird, ist etwas anderes: wie gut es mir gelungen ist, meiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. Ich hatte mir vorgenommen, den Wettkampf weitgehend nach Gefühl zu laufen. Keine permanente Orientierung an der Pace, kein ständiger Blick auf die Uhr. Stattdessen wollte ich wahrnehmen, wie sich die Belastung tatsächlich anfühlt, meinen Rhythmus finden und meine Intensität danach steuern. Und genau das hat an diesem Tag erstaunlich gut funktioniert.

Wenn die Uhr nicht vorgibt, wie sich der Wettkampf anfühlen soll

Sportuhren liefern uns heute unglaublich viele Informationen. Pace, Herzfrequenz, Leistung, Höhenmeter und vieles mehr können im Training und Wettkampf wertvolle Orientierung geben. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass wir uns so sehr an diesen Zahlen orientieren, dass wir unsere eigene Wahrnehmung immer weniger beachten.

Was passiert, wenn die Pace langsamer ist als geplant, obwohl sich der Körper gut anfühlt? Was macht es mit mir, wenn meine Herzfrequenz einen Wert zeigt, den ich gerade nicht sehen möchte? Vertraue ich weiterhin meinem Körper oder lasse ich mich von einer Zahl verunsichern?

Beim Rosengarten Ultra wollte ich genau das vermeiden. Meine Uhr war dabei, aber sie sollte nicht bestimmen, wie ich meinen Wettkampf wahrnehme. Ich habe meinen Rhythmus gefunden und konnte die Intensität über das Rennen hinweg so steuern, dass ich mich sicher gefühlt habe. Auch dann noch, als die Strecke anspruchsvoller wurde.

Vertrauen entsteht nicht erst am Wettkampftag

Dass ich mich an diesem Tag auf mein Gefühl verlassen konnte, war allerdings keine spontane Entscheidung. Ich habe genau das vorher trainiert. Denn wenn ich im Wettkampf anhand meiner eigenen Wahrnehmung einschätzen möchte, welche Intensität gerade passend ist, muss ich diese Wahrnehmung auch im Training immer wieder schulen.

Wie fühlt sich eine bestimmte Belastung an? Wie verändert sich mein Körpergefühl mit zunehmender Dauer? Woran merke ich, dass ich gerade zu viel investiere? Und wie fühlt sich ein Tempo an, das ich auch über längere Zeit halten kann?

Je häufiger wir bewusst wahrnehmen, desto besser lernen wir, die Signale unseres Körpers einzuordnen. Für mich ist genau das ein wichtiger Teil der mentalen Wettkampfvorbereitung. Es geht nicht darum, Daten und Sportuhren zu verteufeln. Es geht darum, sie als Hilfsmittel zu nutzen, ohne die eigene Wahrnehmung an sie abzugeben.

Und dann kommt doch etwas Ungeplantes

Natürlich lief auch bei diesem Wettkampf nicht alles perfekt. 15 Kilometer vor dem Ziel bin ich gestürzt. Für einen kurzen Moment war mein Rhythmus weg. Ich musste mich sortieren, den Fokus wiederfinden und zurück in meinen Lauf kommen. Auch die letzten zehn Kilometer haben wehgetan. Bei einer solchen Distanz gehört das ein Stück weit dazu. Entscheidend war für mich, dass mich diese Momente nicht überrascht haben. Ich wusste vorher, dass irgendwann eine Phase kommen kann, in der es schwierig wird.

Auch darauf kann man sich vorbereiten. Genauso wichtig war an diesem Tag meine Verpflegungsstrategie. Daran hatte ich in den Wochen zuvor viel gearbeitet und sie immer weiter optimiert. Im Rennen habe ich mich konsequent daran gehalten. Gerade bei einer Belastung über 50 Kilometer war das für mich ein entscheidender Faktor.

So kamen an diesem Tag viele Dinge zusammen: körperliche Vorbereitung, Verpflegung, mentale Vorbereitung und das Vertrauen in meine eigene Wahrnehmung.

Die beste Zahl ist manchmal die, auf die du nicht schaust

Am Ende stand Platz 1 in meiner Altersklasse. Darauf bin ich stolz. Noch wertvoller war für mich aber die Erfahrung, dass das funktioniert hat, was ich vorher bewusst trainiert hatte. Nicht ständig auf eine Zahl zu schauen, bedeutet nicht, planlos zu laufen. Im Gegenteil. Es setzt voraus, den eigenen Körper gut zu kennen und einschätzen zu können.

Eine Sportuhr kann mir viele Informationen liefern. Sie kann mir aber nicht jede Entscheidung abnehmen. Manchmal lohnt es sich deshalb, im Training den Blick vom Display zu lösen und sich selbst zu fragen:

Wie fühlt sich diese Belastung eigentlich gerade an?

Denn wenn ich meinem Gefühl im Wettkampf vertrauen möchte, sollte ich lange vor der Startlinie damit beginnen, es zu trainieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Bei der Übermittlung Ihrer Nachricht ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Sicherheitsüberprüfung

Ungültiger Captcha-Code. Versuchen Sie es erneut.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.